Jedes Unternehmen kann einige CO2-Emissionen auf sinnvolle und messbare Weise eliminieren − und es muss gar nicht teuer sein. Auf eines muss allerdings verzichtet werden …. und das wäre, Waren mittels Luftfracht zu versenden.

Regierungen unterstützen die unterschiedlichen Klimaschutzmaßnahmen auf verschiedene Art und Weise. Und Verbraucher werden zunehmend hellhörig, wenn es ums Thema Greenwashing geht.  Daher versuchen in letzter Zeit immer mehr Hersteller von Markenprodukten, ihre Pläne zur Reduzierung der CO2-Emissionen selbst zu beschleunigen.

Und tatsächlich kann jedes Unternehmen die Angelegenheit bis zu einem gewissen Grad selbst in die Hand nehmen, um wissenschaftlich fundierte Lösungen zu nutzen und damit CO2-Emissionen auf sinnvolle und messbare Weise zu eliminieren − und das muss nicht teuer sein. Hier ein paar Anregungen:

1. Nutzung bestehender Messmethoden

Wenn wir uns ein Unternehmen ansehen, das physische Produkte herstellt, besteht der erste Schritt zur Reduzierung des CO2-Fußabdrucks darin, die Emissionen wirklich zu verstehen − sowohl woher sie stammen als auch wie sie sich möglicherweise auf die Umwelt auswirken.

Die international anerkannte Methode zur Emissionsanalyse besteht darin, die Emissionen zu tracken und entsprechend nachzuverfolgen.

  • Scope 1 deckt direkte Emissionen aus eigenen oder kontrollierten Quellen ab. Dazu gehören beispielsweise Flüge und Flottenfahrzeuge.
  • Scope 2 deckt indirekte Emissionen aus der Erzeugung von gekauftem Strom, Dampf, Wärme und Kühlung ab, die das betreffende Unternehmen verbraucht. Das sind Emissionen, die nicht direkt kontrolliert werden können.
  • Scope 3 umfasst alle anderen indirekten Emissionen, die in der Wertschöpfungskette eines Unternehmens entstehen, d. h. Emissionen, die von der gesamten Lieferkette erzeugt werden.

Wenn ein Unternehmen professionelle Dienstleistungen oder digitale Produkte anbietet, fallen Emissionen hauptsächlich in die Bereiche 1 und 2. Auf der anderen Seite entstammt der größte Teil für Unternehmen, die physische Güter herstellen, Bereich 3.

Größere Unternehmen stellen sehr oft externe Nachhaltigkeitsberater ein, um eine Prüfung ihrer Lieferkette durchzuführen und dem Messprozess Genauigkeit und Validierung zu verleihen. Die Fixkosten dieser Prüfungen sind jedoch meist nicht nur für kleine und mittlere Unternehmen unerschwinglich. Außerdem übersteigen die Prüfungskosten häufig die Kosten für Verbesserungen der Lieferkette oder CO2-Ausgleichszahlungen für eine Marke.

Die Verwendung der 80-20-Regel − auch als Pareto-Prinzip* bekannt − zur Messung von Emissionen kann Unternehmen dabei helfen, ihren Fußabdruck anhand von Faktoren abzuschätzen, die am meisten dazu beitragen. Dazu zählen Materialien, Versandarten, Herkunftsland, Energiequellen und Produktionsvolumen. Der Brand Emissions Estimator von Climate Neutral beispielsweise kann Unternehmen dabei helfen, die richtige Richtung einzuschlagen. Er ist erschwinglich und kann von jemandem, der die Produktion verwaltet, in etwa einem Tag fertiggestellt werden.

2. Unterschätzen Sie nicht die Leistung von recycelten Materialien

Die Rohstoffproduktion macht fast ein Viertel der weltweiten Treibhausgasemissionen aus, wobei über 75% der Emissionen aus der Stahl-, Zement- und Kunststoffproduktion stammen (in dieser Reihenfolge). Und das macht normalerweise den größten Teil der Emissionen eines Produkts aus.

Recycling kann die Emissionen umgehen, die durch Rohstoffgewinnung und energieintensive Veredelungsprozesse entstehen. Beispielsweise kann die Verwendung von recyceltem Polyester anstelle von Kunststoff die Emissionen um 50% senken, und die Verwendung von recyceltem Aluminium kann die Emissionen um 85% senken, da weder Rohöl und Erz gefördert werden müssen noch große Mengen an Wärme oder Strom zur Trennung verwendet werden müssen.

In der Regel gibt es in Lieferketten bereits recycelte Alternativen, die bei vielen Metallen und Kunststoffen ein 1: 1-Ersatz sein können. In der Textilindustrie wird recyceltes Polyester billiger und haltbarer, sodass es kaum von neuem PET zu unterscheiden ist.

3. Hören Sie auf, Ihre Waren per Luftfracht zu versenden

Vor der Corona-Pandemie wurden meist auf nicht nachhaltige Versandmethoden zurückgegriffen. Speziell in der Bekleidungsindustrie war dies die Luftschifffahrt, um damit die Fast-Fashion-Erwartungen zu erfüllen. Ein Überangebot an transozeanischen Luftfrachtern und eine gedämpfte Verbrauchernachfrage führten dazu, dass Unternehmen wieder mehr auf Schiffsfracht umstiegen − und genau das wirkt sich in Bezug auf die Emissionen gut aus. Schnellere Versandmethoden kosten nicht nur mehr, sondern können auch die Emissionen exponentiell erhöhen.

Beispielsweise kostet der Versand von Waren von Asien nach Nordamerika in der Regel rund 80 Cent / kg für Seefracht und 2,50 bis 3,20 €D / kg für Luftfracht auf derselben Strecke. Die CO2-Emissionen sind jedoch für Luftfracht neunmal höher als für die Seeschifffahrt, da Flugzeuge – einfach gesagt − mehr Treibstoff benötigen, um in der Luft zu bleiben und schnell zu fliegen.

Alles beginnt mit Engagement

Über diese Ansätze hinaus gibt es für Unternehmen zusätzliche Optionen, die sie erkunden können, z. B. Investitionen in validierte Offset-Projekte oder die Implementierung grundlegender Verbesserungen der Lieferkette in Fabriken wie energieeffizienten Maschinen.

Wenn sich eine Marke also dazu verpflichtet, mehr über ihre eigenen Emissionen in Erfahrung zu bringen und die Verantwortung für die proaktive Erforschung verfügbarer Optionen zur Reduzierung ihres CO2-Fußabdrucks übernimmt, können und werden Fortschritte erzielt werden. 

*Das Paretoprinzip, benannt nach Vilfredo Pareto (1848–1923), auch Pareto-Effekt oder 80-zu-20-Regel genannt, besagt, dass 80 % der Ergebnisse mit 20 % des Gesamtaufwandes erreicht werden. Die verbleibenden 20 % der Ergebnisse erfordern mit 80 % des Gesamtaufwandes die quantitativ meiste Arbeit.

Quelle: fastcompany.com

Foto: (c) woodhouse / freepik.com

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